Still, wild und fast vergessen: Die Insel Görmitz gehört zu den letzten unberührten Naturparadiesen Usedoms. Im Achterwasser gelegen, ist sie touristisch nicht erschlossen und darf nur eingeschränkt betreten werden – ein Grund, warum sie bei Naturfreunden, Ornithologen und Fotografen als echter Geheimtipp gilt. Wer sich für seltene Vogelarten, ursprüngliche Natur und stille Schönheit interessiert, sollte Görmitz unbedingt kennen.

Wo liegt die Insel Görmitz?

Die Insel Görmitz befindet sich im Achterwasser – dem lagunenartigen Gewässer zwischen Usedom und dem Festland – und gehört verwaltungstechnisch zur Gemeinde Lütow. Sie liegt etwa 3 km südlich der Halbinsel Gnitz und ist 110 Hektar groß. Das Eiland ist flach, sumpfig, teilweise von Schilf umgeben und über einen schmalen Damm mit dem Festland verbunden.

Wichtig: Die Insel liegt im EU-Vogelschutzgebiet „Insel Görmitz“ und ist nur mit Genehmigung zugänglich. In der Regel ist ein Betreten außerhalb wissenschaftlicher oder naturschutzfachlicher Zwecke nicht erlaubt.

Ein Rückzugsort für Vögel – und für die Natur selbst

Die Insel Görmitz ist ein bedeutender Brut- und Rastplatz für Wasservögel und Zugvögel. Mehr als 80 Vogelarten wurden hier nachgewiesen, darunter viele bedrohte Arten. Die Insel bietet:

  • Ungestörte Brutplätze für Lachmöwen, Kiebitze, Uferschnepfen, Rotschenkel und Brandgänse
  • Rastgebiete für Kraniche, Graugänse, Pfeifenten und Bekassinen
  • Jagdreviere für Seeadler, Rohrweihen und Fischadler

Das macht Görmitz zu einem der wichtigsten Feuchtgebiete Nordostdeutschlands. Die Kombination aus Flachwasserzonen, Wiesen, Brackwasser und Schilfgürteln schafft ideale Bedingungen für eine enorme Biodiversität.

Warum ist Görmitz so unbekannt?

Die Insel ist nicht touristisch erschlossen – es gibt keine Wege, keine Brücken, keine Ausflugsboote. Der Zugang erfolgt ausschließlich über den Damm von der Halbinsel Gnitz aus, und dieser ist nur für Mitarbeiter des Naturschutzes, Forscher oder Pächter des Gebietes freigegeben.

Gerade deshalb ist Görmitz ein Refugium geblieben. Die Abgeschiedenheit ist Schutz und Chance zugleich: Für die Tiere – und für ein ökologisches Gleichgewicht, das in Mitteleuropa selten geworden ist.

Wie kann man die Insel Görmitz erleben?

Auch wenn ein Betreten nicht erlaubt ist, gibt es Möglichkeiten, die Insel aus der Ferne zu entdecken:

  • Wanderungen oder Radtouren auf der Halbinsel Gnitz mit Aussicht auf die Insel
  • Vogelbeobachtung mit Fernglas von Lütow oder Neuendorf aus
  • Geführte naturkundliche Exkursionen mit Genehmigung (z. B. durch NABU oder lokale Biologen)
  • Bootsfahrten auf dem Achterwasser, die an der Insel vorbeiführen

Empfehlung: Wer mehr über Görmitz erfahren möchte, kann das Informationszentrum Naturpark Insel Usedom besuchen oder sich beim Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern über Beobachtungstermine informieren.

Ein Hotspot für Ornithologen und Naturfotografen

Mit etwas Geduld und gutem Equipment lassen sich von den Uferzonen aus spektakuläre Beobachtungen machen:

  • Balzrituale im Frühjahr – besonders der Kiebitz und der Rotschenkel liefern eindrucksvolle Szenen
  • Vogelschwärme bei Sonnenuntergang – Tausende Zugvögel ziehen über das Achterwasser
  • Junge Wasservögel im Frühsommer – flauschige Küken zwischen Seerosen und Schilf
  • Seeadler im Flug – majestätisch über der Insel kreisend

Tipp für Fotografen: Am besten mit Stativ, Teleobjektiv und Tarnkleidung arbeiten – und immer ausreichend Abstand wahren. Die Tiere reagieren empfindlich auf Störungen, besonders in der Brutzeit von März bis Juli.

Görmitz – Insel der Geschichte

Weniger bekannt ist, dass Görmitz früher sogar bewohnt war. Noch bis in die 1970er Jahre lebten hier Fischerfamilien und Bauern. Später wurden große Teile der Insel landwirtschaftlich genutzt. Heute erinnert nur noch wenig daran – die Natur hat sich das Terrain zurückerobert.

Alte Weideflächen, versumpfte Felder und ehemalige Hofstellen sind mittlerweile Biotope – Heimat von Rohrdommeln, Fröschen, Libellen und Wildbienen. Eine Rückkehr zur Wildnis, wie sie in Deutschland selten geworden ist.

Fazit: Görmitz – die stille Schwester Usedoms

Usedom ist bekannt für seine Seebäder, seine Strände und sein Sonnenversprechen. Doch abseits dieser Bilderbuchkulisse liegt eine Insel, die fast niemand kennt – und die gerade deshalb so faszinierend ist.

Die Insel Görmitz ist ein Ort der Stille, der Wildnis, der Vögel. Wer sich darauf einlässt – auch nur aus der Ferne – erlebt die Insel in ihrer ursprünglichsten Form: Als Lebensraum, als Rückzugsort, als Erinnerung daran, wie Natur sein kann, wenn man sie lässt.

Tipp: Verbinde eine Wanderung zur Südspitze der Halbinsel Gnitz mit einem Fernglasblick auf Görmitz – und du wirst verstehen, warum diese Insel mehr ist als nur ein Fleck auf der Karte.

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