Wie schlief eigentlich Bismarck? Oder Einstein? Und was hatte eine pommersche Bauersfrau im 18. Jahrhundert für ein Bett? Wer solche Fragen faszinierend findet, sollte dem Pommerschen Bettenmuseum in Karlshagen unbedingt einen Besuch abstatten. Es ist das einzige Museum seiner Art in Deutschland – und definitiv eines der kuriosesten Highlights auf Usedom.
Ein ungewöhnliches Museum mit überraschendem Charme
Inmitten des Seebads Karlshagen im Norden Usedoms befindet sich eine Ausstellung, die gänzlich dem Thema „Schlafen“ gewidmet ist – genauer gesagt: historischen Betten. Im Pommerschen Bettenmuseum dreht sich alles um die Entwicklung von Schlafstätten durch die Jahrhunderte – von bäuerlichen Strohmatratzen bis zu den Ruhelagern großer Persönlichkeiten.
Untergebracht ist das Museum in einem alten Forsthaus mit Fachwerk-Charme. Die Ausstellungsstücke wurden über Jahrzehnte von privaten Sammlern zusammengetragen – jedes Stück hat seine eigene Geschichte, oft mit Anekdoten aus Adel, Wissenschaft und Volksleben.
Die Highlights: Von Einstein bis Bismarck
Besucher erwartet eine ebenso schräge wie spannende Zeitreise durch die Geschichte des Liegens. Zu den berühmtesten Stücken der Sammlung gehören:
- Ein Originalbett aus dem Besitz von Albert Einstein – schlicht, funktional, mit wissenschaftlichem Flair
- Bismarcks Schlafstätte – wuchtig, aus dunklem Eichenholz, mit imposanter Baldachin-Konstruktion
- Ein Napoleontisch-Bett, das sich tagsüber als Tisch tarnte – ein Wunder der Multifunktionalität
- Ein preußisches Militärlagerbett aus dem 19. Jahrhundert – minimalistisch und klappbar
Jedes Exponat ist liebevoll in Szene gesetzt – inklusive geschichtlicher Einordnung, biografischer Details und Kontext zur Schlafkultur der Zeit. Dabei geht es nicht nur um Möbel, sondern auch um Matratzen, Bettwäsche, Wärmflaschen und andere Utensilien, die unser Verständnis vom Schlafen geprägt haben.
Schlafkultur durch die Jahrhunderte
Ein zentrales Anliegen des Museums ist es, gesellschaftliche Entwicklungen anhand der Schlafkultur zu beleuchten. So erfährt man unter anderem:
- Wie Schlafräume früher aufgeteilt waren – oft ohne jede Privatsphäre
- Warum Betten im 17. Jahrhundert oft viel kürzer waren als heute
- Welche Rolle Volksglaube und Aberglaube beim Bettenbau spielten (z. B. eiserne Nägel gegen Dämonen)
- Wie industrielle Revolution und Hygieneverständnis die Bettenlandschaft veränderten
Mit originalen Ausstattungen aus Pommern, Mecklenburg und Brandenburg vermittelt das Museum ein anschauliches Bild vom Alltag vergangener Jahrhunderte – mit Fokus auf das, was jeder Mensch täglich braucht: Erholung.
Ein Museum zum Anfassen (fast)
Im Gegensatz zu vielen Museen herrscht im Bettenmuseum Karlshagen eine fast familiäre Atmosphäre. Die meisten Führungen werden von den Betreibern selbst durchgeführt – leidenschaftliche Sammler mit einem Schatz an Hintergrundwissen und Anekdoten.
Besonders schön: Viele Ausstellungsstücke dürfen aus der Nähe betrachtet werden, einige dürfen sogar leicht berührt werden – etwa alte Wärmesteine oder Federkissen. Das sorgt für ein intensives Museumserlebnis, bei dem Geschichte wirklich greifbar wird.
Ideales Ausflugsziel bei schlechtem Wetter – oder Neugier
Das Pommersche Bettenmuseum ist kein Massenmagnet – und gerade das macht seinen Reiz aus. Es ist ein ruhiger, kurioser Ort, perfekt für Regentage, Kulturtouren oder neugierige Spaziergänger. Wer nach einem ungewöhnlichen Ausflugsziel auf Usedom sucht, wird hier definitiv fündig.
Das Museum ist in wenigen Gehminuten vom Ortszentrum Karlshagen erreichbar, Parkplätze sind in der Nähe vorhanden. Auch mit dem Fahrrad ist die Anfahrt über den Usedom-Radweg problemlos möglich.
Events, Lesungen & Sonderausstellungen
Regelmäßig finden im Museum kleine Veranstaltungen statt:
- Themenabende zur Geschichte des Schlafens
- Lesungen aus Tagebüchern und Briefen berühmter Schlafwandler
- Sonderausstellungen zu Bettgewohnheiten in fernen Kulturen (z. B. Japan, Indien, Südamerika)
Ein Besuch lohnt sich also auch für Wiederholungsgäste – das Museum wächst ständig weiter und nimmt regelmäßig neue Stücke in die Sammlung auf.
Fazit: Schrullig, charmant, einzigartig
Das Pommersche Bettenmuseum Karlshagen ist keine klassische Sehenswürdigkeit – sondern ein echtes Kuriositäten-Kleinod. Wer offen ist für schräge Perspektiven auf Geschichte und Alltag, wird hier nicht nur fündig, sondern auch bestens unterhalten.
Es zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie Alltagsgegenstände Geschichte erzählen – und dass selbst das vermeintlich Banale wie ein Bett zum spannenden Zeitzeugen werden kann. Oder, um es mit einem Augenzwinkern zu sagen: Wer gut schlafen will, sollte sich vorher über die Geschichte des Schlafens informieren.
Tipp: Plane den Museumsbesuch als Teil eines Kultur-Tages – kombiniert mit einem Spaziergang am Karlshagener Strand oder einem Abstecher ins Naturschutzgebiet Peenemünder Haken. So lässt sich Usedom von einer ganz neuen Seite erleben.