Der Wockninsee ist ein verborgenes Naturjuwel im Hinterland der Insel Usedom. Abseits der Strände und Seebäder liegt dieser See eingebettet zwischen Wiesen, Wäldern und sanften Hügeln. Für Naturfreunde, Wanderer und Ruhesuchende ist der Wockninsee ein perfektes Ausflugsziel – und gleichzeitig ein echter Geheimtipp für Besucher, die die stillen Seiten der Insel entdecken wollen.
Wo liegt der Wockninsee?
Der Wockninsee befindet sich im östlichen Teil der Insel Usedom, nicht weit entfernt von den Kaiserbädern. Während die Ostseeküste von Trubel geprägt ist, herrscht hier eine entspannte und stille Atmosphäre. Eingebettet in eine abwechslungsreiche Landschaft, ist der See ein beliebtes Ziel für Wanderungen und Radtouren.
Ein Natursee mit Geschichte
Wie viele Seen auf Usedom entstand auch der Wockninsee in der letzten Eiszeit. Gletscher formten das Relief und hinterließen Senken, die sich mit Wasser füllten. Dadurch entstand ein klarer, nährstoffarmer See, dessen Wasserqualität noch heute zu den besten der Region gehört. Der Wockninsee ist etwa 45 Hektar groß und von dichtem Schilfgürtel sowie Laub- und Mischwäldern umgeben.
Flora und Fauna am Wockninsee
Der See ist ein wahres Paradies für Tier- und Pflanzenfreunde. Am Ufer wachsen Schilf, Seerosen und seltene Wasserpflanzen. In den umliegenden Wäldern leben Spechte, Eulen und Singvögel, während das Wasser Heimat für verschiedene Fischarten ist. Besonders im Frühling und Sommer bietet der Wockninsee eine beeindruckende Vielfalt an Farben und Geräuschen.
- Vogelwelt: Kraniche, Reiher und Eisvögel lassen sich hier beobachten.
- Pflanzen: Seerosen, Schilf, Seggen und seltene Orchideenarten.
- Insekten: Libellen und Schmetterlinge schwirren über dem Wasser.
Wandern und Radfahren am Wockninsee
Rund um den Wockninsee führen schöne Wanderwege, die durch Wald und Wiesen verlaufen. Die Wege sind größtenteils naturbelassen und bieten eine perfekte Möglichkeit, die Stille zu genießen. Auch Radfahrer können den See auf Nebenwegen anfahren und ihre Tour mit einem Besuch in den umliegenden Dörfern verbinden.
Empfohlene Wanderroute:
Ein Rundweg um den See dauert etwa 1,5 bis 2 Stunden. Unterwegs bieten sich immer wieder kleine Lichtungen und Aussichtspunkte, an denen man die Natur in Ruhe beobachten kann.
Es gibt auch einen 2,5 km langen Naturlehrpfad ab dem Ückeritzer Zeltplatz.
Baden im Wockninsee – ja oder nein?
Der Wockninsee ist offiziell kein klassischer Badesee wie der Schmollensee oder der Wolgastsee. Dennoch nutzen Einheimische im Sommer kleine Naturbuchten zum Schwimmen. Da es keine Infrastruktur wie Badestellen, Rettungsschwimmer oder Kioske gibt, sollte man sich bewusst sein, dass das Baden hier ein echtes Naturerlebnis ist – aber auch Eigenverantwortung erfordert.
Warum der Wockninsee ein Geheimtipp ist
Während die Strände der Insel Usedom im Sommer oft gut gefüllt sind, bleibt es am Wockninsee angenehm ruhig. Touristen verirren sich selten hierher, sodass man die Landschaft fast für sich allein genießen kann. Der See ist damit ein perfekter Ort für alle, die Ruhe, Natur und Ursprünglichkeit suchen.
Geologische Hintergründe
Geologen schätzen den Wockninsee als typisches Beispiel eines Toteislochs – also einer Senke, die nach dem Abschmelzen von Gletscherblöcken mit Wasser gefüllt wurde. Dadurch ist er relativ tief und nährstoffarm. Seine klaren Wasserverhältnisse und die naturnahe Umgebung machen ihn zu einem wertvollen Bestandteil des Usedomer Naturerbes.
Fotomotive am See
Fotografen schätzen den Wockninsee besonders in den frühen Morgenstunden, wenn Nebel über dem Wasser liegt, und am Abend, wenn die Sonne die Wasseroberfläche in goldenes Licht taucht. Auch die Spiegelungen von Bäumen und Wolken im klaren Wasser sind ein beliebtes Motiv.
Praktische Tipps für Besucher
- Anreise: Am besten mit dem Fahrrad oder Auto über die Landstraßen des Hinterlands erreichbar.
- Parken: Kleine Parkmöglichkeiten befinden sich in der Nähe, größere Parkplätze sind in den umliegenden Orten vorhanden.
- Beste Zeit: Frühling bis Herbst, da die Wege im Winter teils matschig sein können.
- Mitbringen: Fernglas, Kamera, feste Schuhe, Picknickdecke.
Kombination mit anderen Ausflugszielen
Ein Ausflug zum Wockninsee lässt sich wunderbar mit anderen Zielen im Hinterland kombinieren. In der Nähe liegen der Schmollensee, das Achterwasser und kleine Dörfer wie Benz oder Neppermin, die für ihre Reetdachhäuser und idyllische Lage bekannt sind.
Ein Paradies für Amphibien und die Europäische Sumpfschildkröte
Der Wockninsee ist nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern auch ein wertvolles Biotop. Als verlandender See mit ausgedehnten Schwingmoordecken bietet er Lebensräume, die auf Usedom inzwischen selten geworden sind. Besonders bemerkenswert ist das Vorkommen der Europäischen Sumpfschildkröte, einer streng geschützten und in Deutschland vom Aussterben bedrohten Art. Die flachen, warmen Uferbereiche mit dichtem Röhricht und weichen Moorböden schaffen ideale Bedingungen für diese urtümliche Reptilienart. Doch nicht nur Schildkröten profitieren: Auch zahlreiche Amphibien wie Moorfrösche, Knoblauchkröten und Kammmolche finden hier ideale Laichplätze und Rückzugsräume. Damit ist der Wockninsee ein wichtiger Hotspot für die biologische Vielfalt Usedoms und zeigt eindrucksvoll, wie wertvoll naturnahe Seenlandschaften für den Artenschutz sind.
Fazit: Natur pur am Wockninsee
Der Wockninsee ist ein Ort für Entdecker und Naturliebhaber. Hier kann man fernab vom touristischen Trubel in die Ursprünglichkeit Usedoms eintauchen. Ob bei einer Wanderung, einem stillen Nachmittag mit Blick aufs Wasser oder beim Beobachten von Vögeln – der Wockninsee zeigt, dass Usedom weit mehr zu bieten hat als nur Strand und Meer.
Wer die Insel von ihrer ruhigen Seite erleben möchte, sollte den Wockninsee unbedingt auf seine Liste setzen.