Wer glaubt, Usedom zu kennen, sollte einmal den Zerninsee besuchen. Abseits der bekannten Seebäder liegt im Osten der Insel ein wahres Naturjuwel – still, urwüchsig und fast vergessen. Das Naturschutzgebiet Zerninsee ist ein 365 Hektar großes Feuchtgebiet direkt an der deutsch-polnischen Grenze und bietet eine faszinierende Mischung aus verlandetem See, Moorflächen, Bruchwäldern und artenreicher Vogelwelt. Perfekt für Naturfreunde, Fotografen und alle, die das ursprüngliche Usedom erleben möchten.

Wo liegt das Zerninsee-Naturschutzgebiet?

Der ehemalige Zerninsee befindet sich ganz im Osten der Insel Usedom, unmittelbar an der Grenze zu Polen bei Kamminke. Zwischen dem Stettiner Haff und dem südlichen Zipfel des Thurbruchmoors gelegen, wurde der See im Laufe der Jahrzehnte durch natürliche Verlandungsprozesse in ein einzigartiges Feuchtgebiet verwandelt.

Das Gebiet ist nicht touristisch erschlossen, aber über Feldwege und Wanderpfade von Zirchow, Neverow oder dem Grenzübergang Garz aus erreichbar. Besonders spannend: Die Region ist Teil des grenzüberschreitenden Naturverbunds Usedom-Wollin.

Ein Naturschutzgebiet mit Geschichte

Früher war der Zerninsee ein flacher, nährstoffreicher See, gespeist von kleinen Moorbächen und Grundwasserzuflüssen. Durch zunehmende Verlandung entwickelte sich ein Mosaik aus Sumpfwiesen, Hochstaudenfluren, Schilfgürteln und kleinen Restwasserflächen – heute eine ökologische Schatzkammer mit hoher Artenvielfalt.

Bereits 1967 wurde das Gebiet unter Schutz gestellt, seitdem gilt es als wichtiger Rückzugsraum für Wasservögel, Amphibien und Insekten. Auch für den Klimaschutz ist das Gebiet relevant: Die Moorflächen speichern große Mengen CO₂ – solange sie intakt bleiben.

Was macht das Zerninsee-Gebiet so besonders?

  • 365 Hektar geschützte Fläche mit seltenen Lebensräumen
  • Unzerschnittene Landschaft ohne Bebauung, Lärm oder Tourismus
  • Vogelparadies mit Kranichen, Gänsen, Rohrweihen, Bekassinen und Co.
  • Wertvolles Moorökosystem mit Torfmoosen, Wollgras, Sonnentau
  • Geheime Beobachtungspunkte für Naturfotografen und Ornithologen

Die Mischung aus Wildnis und Ruhe macht den Zerninsee zu einem idealen Ziel für Menschen, die in der Natur nicht nur Erholung, sondern auch Inspiration suchen.

Wandern und Beobachten – so erlebst du den Zerninsee

Es gibt keine offiziellen Wanderwege mit Beschilderung, aber mehrere unbefestigte Pfade und Feldwege, die am Rand des Gebiets entlangführen. Besonders geeignet ist ein Rundweg, der sich von Zirchow über die Feldflur Richtung Osten zieht und weite Blicke auf die offenen Feuchtwiesen ermöglicht.

Empfohlene Route:

  1. Start in Zirchow (Parkmöglichkeit an der Kirche)
  2. Wanderung entlang der Alten Dorfstraße in Richtung Osten
  3. Einbiegen in die Feldwege Richtung „Zerninwiese“ (Name variiert in Karten)
  4. Beobachtungspunkte mit Blick auf offene Wasserflächen und Schilfrand

Hinweis: Festes Schuhwerk ist ein Muss – besonders nach Regenfällen kann es matschig sein. Eine gute Wanderkarte oder GPS-App hilft bei der Orientierung, da das Gebiet wenig ausgeschildert ist.

Vögel, Insekten & Amphibien: Artenvielfalt am Zerninsee

Das Gebiet ist als EU-Vogelschutzgebiet (SPA DE1459301) ausgewiesen. Hier rasten und brüten:

  • Kraniche – besonders eindrucksvoll im Herbst während des Zugs
  • Rohrweihen und Rotmilane – in der Brutzeit aktiv beobachtbar
  • Bekassinen, Grünschenkel, Rotschenkel – in den Sumpfzonen
  • Feldlerche, Braunkehlchen, Wiesenpieper – auf den extensiv genutzten Wiesen

Auch Frösche, Molche, Schmetterlinge und Libellen sind in großer Zahl vertreten. Wer genau hinschaut, entdeckt vielleicht auch Sonnentau oder Moosbeeren – seltene Pflanzen, die typisch für intakte Moore sind.

Ideales Ziel für Naturfotografen und Naturpädagogen

Durch die offene Landschaft und das Zusammenspiel von Licht, Wasser und Vegetation ist der Zerninsee ein echter Geheimtipp für Naturfotografie:

  • Sonnenaufgänge über dem nebelverhangenen Moor
  • Kraniche im Morgenflug über den Feuchtwiesen
  • Makroaufnahmen von Insekten, Pflanzen und Tautropfen

Für Schulen, Kitas oder Naturgruppen bietet das Gebiet ein wertvolles außerschulisches Lernumfeld – ideal für Projekte zu Klimaschutz, Biodiversität oder Moorbiologie.

Fazit: Der Zerninsee – das vergessene Naturjuwel im Osten Usedoms

Wer Stille, Weite und echte Wildnis sucht, wird am Zerninsee fündig. Keine Seebrücke, kein Souvenirladen, keine Strandkörbe – dafür Vogelrufe, Schilfrauschen und das Gefühl, in einem Stück urzeitlicher Landschaft zu stehen.

Unser Tipp: Plane einen Ausflug in den äußersten Osten der Insel – und lass dich auf ein Naturerlebnis ein, das tief berührt. Der Zerninsee ist nicht spektakulär laut, sondern leise spektakulär.

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